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10.07.2026
06:02 Uhr
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Was bewegt Mitläufer, Faschisten zu werden? Bernado Bertolucci gab 1970 eine hochspannende Analyse ab, die jetzt erstmals in 4K zu sehen ist.

Der Konformist gehört zu den einflussreichsten Filmen des europäischen Nachkriegskinos – und ist in Deutschland trotzdem weitgehend unbekannt. Bernardo Bertoluccis 1970 entstandenes Werk, das hierzulande unter dem irreführenden Titel „Der große Irrtum“ in die Kinos kam, gilt unter Filmemachern bis heute als Meilenstein. Nicht zuletzt wegen der bahnbrechenden Kameraarbeit von Vittorio Storaro wird der Film regelmäßig an Hochschulen studiert. Ein breites Publikum hat er dennoch nicht erreicht: Streaming-Fassungen fehlen, und die aus heutiger Sicht unverständliche Verwehrung einer Jugendfreigabe hat seine Verbreitung zusätzlich gebremst.
Dabei steht Der Konformist an einer zentralen Stelle des italienischen Kinos der 70er Jahre. Während Visconti 1969 in „Die Verdammten“ die Dekadenz einer Industriellenfamilie opernhaft zuspitzte und Pasolini 1975 in „Salo oder die 120 Tage von Sodom“ Faschismus und Sadismus radikal miteinander verschränkte, interessiert sich Bertolucci für den psychologischen Anpassungsdruck der Mitläufer. Sein Film fragt, warum Menschen sich trotz aller Widersprüche dem Faschismus unterwerfen und beleuchtet damit eine oft übersehene Dimension seiner Wirkung.
Umso erfreulicher, dass Filmjuwelen „Der Konformist“ (Der große Irrtum) just in einer restaurierten 4K-Fassung als Mediabook auf Ultra HD Blu-ray (UHD) veröffentlicht hat. Gerade der größere Kontrastumfang der UHD könnte den vielen spärlich beleuchteten Nacht- und Schattenszenen des Films zugutekommen. Warum die neue Fassung trotzdem hinter ihren Möglichkeiten zurückbleibt, klären wir in der technischen Analyse ab Seite 3. Zuvor blicken wir auf den filmhistorischen Einfluss eines Werks, in dem Bertolucci sich von seinem Mentor Jean-Luc Godard emanzipierte und mit seiner Ästhetik bis tief ins New Hollywood von Martin Scorsese und Francis Ford Coppola wirkte.